Kunsthandel im Wandel

Der Kunsthandel hat sich in den letzten 20 Jahren spürbar verändert. Die Gesellschaft, und damit ihre Vorlieben, hat sich verändert. Langfristige Strategien und das Beibehalten eines einmal gefundenen Lebensmodells über einen langen Zeitraum hinweg sind nicht mehr unbedingt gegeben. Damit handeln Menschen nach anderen und sich verändernden Vorgaben. Sie passen sich leichter an sich wechselnde Strömungen an, sind flexibel, risikobereiter und distanzieren sich wesentlich schneller von Liebgewonnenem.

Die Konsequenzen in Bezug auf den Kunsthandel sind immens. Der Kunsthandel als träges Gebilde, welches mit klassischen Werten handelt - lässt man die zeitgenössische Kunst einmal außen vor - hält an unverrückbaren Werten fest und definiert sich im Wesentlichen über die Bedeutung der Objekte. Hierbei herrscht beim Händler immer noch der Glaube, allein die Eigenschaften eines Objektes überzeugen den Kunden.

Doch die Mehrzahl der Menschen, die als potentielle Kunden für einen Kunstkauf in Frage kommen, handeln nach völlig anderen Mustern. Sie sind von Ihrer Zeit geprägt und handeln entsprechend schnell, aber auch sprunghaft und verändern mehrfach im Verlauf ihres Lebens ihre Vorlieben und Interessen. Sie werden von rasch wechselnden Strömungen beeinflusst – die schnellen Wechsel in der Mode ergeben in der Konsequenz eine andere Geschmackstreue im Vergleich zu früher.

Die Medien und in Bezug auf den Kunsthandel, die Einrichtungsmedien, haben einen großen Anteil an dieser Entwicklung mit erheblichen Auswirkungen. Auch der Rückgang des klassischen Sammlers und belesenen Kunstfreundes ist hier zur Kenntnis zu nehmen. Das Interesse für ein Objekt, die Sachkunde und die feinst recherchierte Information über ein Objekt werden meist nicht mehr abgefragt, der akademische Anteil an den Eigenschaften schwindet, weil er entweder nicht verstanden oder einfach übergangen wird.

So rüttelt das moderne Kaufverhalten der Menschen an den Grundfesten des Kunsthandels. Die Überzeugung des Händlers von seinem Objekt und die akribisch recherchierte Information darüber werden nicht mehr im selben Umfang abgefragt.

Was tritt an die Stelle dieser Werte? Was wird vom Kunden erwartet?

An erster Stelle sind Emotionen zu befriedigen. Der Anteil der Emotion, mit der ein Kaufinteressent an ein Objekt herantritt ist heute wesentlich größer und er überdeckt zu einem erheblichen Teil die akademischen Werte eines Objektes. Heute entscheiden vielmehr Rahmenbedingungen und das Bedienen von Emotionen, als die akademische Recherche und informative Überladung mit Daten Fakten und Zahlen.

Mit dieser Tatsache muss der der Kunsthandel lernen umzugehen..

Einrichtung und Interior Design

Als Kunsthändler muss man sich heute damit vertraut machen, dass moderne Wohnverhältnisse immer häufiger den Hintergrund für eine Kaufentscheidung bilden. Das Ergänzen oft überfüllter Räume mit einem zusätzlichen Objekt, welches wegen seiner Seltenheit, seiner Eigenschaften oder einer langen Suche angeschafft wird ist heute mehr und mehr der Ausnahmefall.

Heute begegnet ein potentieller Kaufinteressent dem Händler unter anderen Vorzeichen: der Kunde kauft nicht, weil noch Platz oder besonderes Interesse ihn vorantreiben, sondern er kauft dann, wenn irrationale Faktoren, das vorstellbare Zusammenspiel mit den räumlichen Gegebenheiten und die Stimmung für ein bestimmtes Objekt passen.

Die Kunst für den Händler ist es nun, diese Emotionen zu erkennen und zu bedienen, auf das richtige Objekt hinzuweisen, nachdem er versucht hat die bestehenden Wohnverhältnisse des Kaufinterressenten zu ergründen. Und häufig entscheidet eine Momentsituation, in der die vorbeschriebenen einzelnen Faktoren zusammenpassen, aber auch die Sachkunde im Umgang mit Geschmack und räumlichen Voraussetzungen des Kunden. Dabei ist der Kunde mehr design-orientiert und erwartet das perfekte Zusammenspiel zwischen der Neuanschaffung und dem bereits Vorhandenen. Er betrachtet nicht mehr das Objekt isoliert und möchte es als Solitär erwerben, sondern es muss neben dem Gefallen auch andere Anforderungen abdecken, die sich meist erst in den Räumen des Kunden erschließen.

Meist verfügt der Kunde über eine präzise herausgebildete Geschmackslinie, welche die Vorgaben definiert, unter denen er einem potentiellen Kunstkauf nähertritt. Hier spielen die Qualitäten des Objektes eine eher untergeordnete Rolle bei der Kaufentscheidung des Kunden. Hier ist muss der Händler sich die Struktur des Kunden, seine Präferenzen und auch den häuslichen Hintergrund vorstellen können, um einen für beide Seiten sinnvollen Kaufabschluss herbei führen zu können.

Minimalismus und Kunsthandel

Neben den klassischen Kunstkäufern mit einer mehr oder weniger klassischen Einrichtung, auf die der Kunsthandel zugeschnitten ist und wo auch eine Basis der fachlichen und emotionalen Verständigung existiert, muss sich der Kunsthändler mehr und mehr mit dem sich verbreitenden Minimalismus im Einrichtungsstil jüngerer Interessenten auseinandersetzen. Um sich diesen Teil der Kundschaft zu erschließen, muss er sein Angebot darauf abstimmen. Er muss lernen, jene Objekte im Einkauf zu erkennen, die ihm das Potential erschließen, moderne und minimalistisch eingerichtete Räumlichkeiten auf eine unvergleichliche Weise zu bereichern und damit auch den Kunden zufrieden stellen zu können. Er muss also sein Angebot um jenen Teil der Ware erweitern, die jene Akzente setzen kann, nach denen moderne Räume verlangen. Er verlässt damit den Rahmen des klassischen Kunsthandels und wird mehr und mehr zum Berater in erster Linie in Bezug auf die Einrichtung. Die Herausforderung für ihn besteht darin, einen Lernprozess zu durchlaufen, der es ihm ermöglicht über seine klassischen, stark akademisch orientierten Tätigkeit hinaus Gegenwart orientiert Kunst im zeitgenössischen Kontext zu integrieren.

Als Anhaltspunkt mag ihm weltweit publiziertes, internationales Wohndesign dienen.

Die neue Käuferschicht

Die Herausforderung im Kunsthandel besteht neben der sachkundigen Beschaffung der richtigen und verkäuflichen Objekte, in der Erschließung neuer Kundenkreise. Derjenigen, die Wert auf Lebensstil, Geschmack und das passende Wohndesign legen, ohne sich bisher dem Kunsthandel genähert zu haben.

Der Kunsthändler sollte als Quelle für entsprechende Ausstattungselemente erkannt werden und als Partner in die entsprechenden Projekte einbezogen werden. Dazu muss er die Kaufgewohnheiten und die Leitfäden, nach denen dieser Käuferkreis handelt verstehen und entsprechend positioniert sein. In der Konsequenz muss er sich umfassend erneuern und modernisieren, um eine zeitgemäße Basis für eine Zusammenarbeit zu entwickeln. Gelingt es jüngere Kunden für das Angebot des Kunsthandels zu interessieren, wird es auch gelingen daraus den begeisterten Kunstkäufer entstehen zu lassen, dem es Spaß macht in Kunst zu investieren und die entstandenen Ergebnisse zu genießen.

Und keiner weiß am Ende, ob sich über das passende Entrée nicht letztendlich ein in die heutige Zeit passender Kunstsammler entwickelt.

Zukunft

Uwe Dobler Interiors versucht diesen Weg zu gehen, den Spaß und die Freude im Umgang mit Kunst und Kunsthandwerk entstehen zu lassen und im Rahmen von zahlreichen Interior-Projekten auch zu manifestieren.

Die Provokation und die Spannung von Architektur und Einrichtung bis hin zum Kunstsammeln und –leben liegt uns am Herzen und dies verstehen wir als permanente Herausforderung. Das Verstehen und die Anpassung an den aktuellen Zeitgeist, und dabei eine Brücke für Kunst und Kunsthandwerk zu bauen, verstehen wir als unsere Aufgabe, um daraus ein Symbiose aus Kunsthandel, Einrichtungsdesign und akademischer Beratung zu schaffen.

Die Zukunft wird vermehrt solche ganzheitlichen Ansätze erwarten, sie wird aus dem Kunsthändler, der seine Objekte versteht und liebt einen Intermediator zwischen Zeitgeist und Geschichte formen, der in nicht allzu ferner Zukunft in der Position sein wird, an der Geschmacks- und Modebildung beteiligt zu sein.

Mit Hilfe unserer einzigartigen Objekte verfügen wir über ein Potential, das mit aktueller Ware unerreichbar ist.